JOSEF ROSNER

Bioprodukte und Blauzungenimpfung

in der Schweiz nimmt die NOP Stellung: (http://www.bio-inspecta.ch)

Beeinträchtigt die Blauzungen-Impfung meinen Status als NOP-Produzent?

Impfstoffe können zwar herstellungsbedingte Restspuren von antimikrobiellen Substanzen enthalten. Eine Impfung ist aber auch im Sinne der NOP-Richtlinien keine Antibiotika-Behandlung. Der NOP-Status wird somit durch eine Impfung nicht beeinträchtigt. (Quelle: Siehe NOP Federal Regulation §205.603)

Während der Biokreis-Infoveranstaltung am vergangenen Freitag wurde lautstark diskutiert, ob nach der Blauzungenimpfung die Erzeugnisse (Milch und Fleisch) noch Bioprodukte seien. Sämtliche Erzeugerverbände empfehlen die "Freiwillige Impfung", was aber derzeit nicht möglich ist, da die Impfung als Zwangsimpfung durchgesetzt wird.

Impfung gegen die Blauzungenkrankheit

von Pia Stadler - www.biolandbau.ch
An unserer Sitzung Anfang Juni war die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit im Vorstand ein hochaktuelles Thema.

Für- und Gegenargumente wurden ausgiebig diskutiert. Dass die Krankheit bei den Schafen schlimmer als beim Rindvieh verläuft, waren sich alle einig. Dass es jedoch Pflicht ist zu impfen, davon waren nicht alle begeistert, vor allem, weil noch keine Resultate von Feldversuchen vorhanden sind. Auch die Sicherheit der Qualität des Impfstoffes kann niemand bestätigen. Es sind leider noch viele Fragen offen und nicht zufrieden stellend geklärt.

Als Impfkritikerin wünschte ich mir, dass Bio Suisse und das FiBL da auch nach dem Biogedanken handeln würden. Ein Versuch, mit alternativen Heilmitteln gegen die Blauzungenkrankheit vor zu gehen, wäre aus biologischer Sicht sehr empfehlenswert.

Fragen und Antworten zur obligatorischen Impfkampagne gegen die Blauzungenkrankheit

Zurzeit läuft in der Schweiz die Impfkampagne gegen die Blauzungenkrankheit, die im Oktober 2007 erstmals im Kanton Basel Stadt diagnostiziert wurde. Sechs weitere Fälle wurden in den Kantonen Solothurn, Wallis, Basel-Land und Jura gemeldet. Mit 12 betroffenen Kühen, wovon 2 getötet werden mussten und 2 betroffenen Ziegen ist die Schadensbilanz in der Schweiz noch klein. Gemäß dem Bundesamt für Veterinärwesen gebe es heute aber keinen erkennbaren Grund, weshalb sich in diesem oder im kommenden Jahr die Situation nicht auch so zu spitzen sollte wie in den Kerngebieten des Ausbruchs in Deutschland, den Niederlanden, Belgien oder Frankreich. Die flächendeckende Impfung sei die einzige Möglichkeit die Ausbreitung des Virus einzudämmen und wurde mit Nachdruck von der Branche gefordert.

Im Zusammenhang mit der verordneten Impfkampagne für Rinder, Schafe und Ziegen sind unter einigen Tierhaltern Fragen aufgetaucht, die es zu klären galt. Neben Bauern und Bäuerinnen in verschiedenen Kantonen hat sich auch die Aargauische Biovereinigung für die Klärung dieser Fragen eingesetzt. Untenstehend sind die aktuellen Informationen zu den Fragen betreffend Impfstoffsicherheit, zur Haftung bei möglichen Folgen der Impfung und zur Risiko-Nutzen-Abschätzung der nationalen Impfkampagne zusammengestellt.

Wie sicher ist der Impfstoff? Sind Nebenwirkungen zu erwarten?
· In der Schweiz kommen drei Impfstoffe zur Anwendung
- Bovilis BTV der Firma Intervet
- Zulvac 8 cattle der Firma Fort Dodge
- BTVPUR AlSap8 der Firma Merial (im Moment noch nicht verfĂĽgbar)

Bei allen drei Impfstoffen handelt es sich um inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe). Das heißt, das Virus ist inaktiviert. Nur einzelne wenige Bestandteile des Virus, welche für den Aufbau der Immunität im Tier verantwortlich sind, bilden die wirksame Substanz im Impfstoff. Neben den einzelnen Virusbestandteilen beinhaltet der Impfstoff Trägersubstanzen, welche die Wirkung des Impfstoffes verstärken.

· Momentan liegt keine Bewilligung für einen Blauzungenimpfstoff vor. Die gesetzlichen Grundlagen ermöglichen, dass auch nicht bewilligte Arzneimittel eingesetzt werden dürfen, wie es bei der verordneten Blauzungenimpfung nun der Fall ist.

· Diese drei Impfstoffe vom Serotyp 8 werden durch das Institut für Viruskrankheiten und Immunprohylaxe in Mittelhäusern geprüft und beurteilt. Das Bundesamt für Veterinärwesen orientierte, dass die Impfung mehrerer hundert Rinder, Schafe und Ziegen am Institut in Mittelhäusern ergeben hat, dass die drei Impfstoffe sicher sind und keine schwerwiegenden Probleme aufgetreten sind. Bei der Einstichstelle ist es zum Teil jedoch vorübergehend zu Schwellungen und Rötungen gekommen, diese dauern einige Tage an bilden sich dann aber wieder zurück. Gemäss dem Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe entspricht die Zusammensetzung des Impfstoffes –abgesehen vom Impfvirus- dem Impfstoff, der während Jahrzehnten zur Impfung gegen die Maul- und Klauenseuche verwendet wurde.

Gewisse Bedenken bleiben bei einigen Tierhaltern trotzdem, denn... wenn die Gebrauchsinformationen dieser Impfstoffe etwas genauer unter die Lupe genommen werden, dann wird festgestellt, dass die Trägersubstanzen (Adjuvantien: z.B. Thiomersal = Quecksilberhaltiges Salz; Saponine) nicht „ohne“ sind. Es sind toxische Substanzen und gemäss Fachleuten gibt es kontrollierte Reinigungsverfahren, mit denen die Impfstoffe von diesen toxischen Substanzen befreit werden könnten.

Und auch die besonderen Warnhinweise wie bei Zulvac 8 Bovis auf dem Beipackzettel aufgeführt: „ die Unbedenklichkeit bei Anwendung dieses Impfstoffes bei trächtigen oder laktierenden Tieren wurde bisher nicht untersucht.“ nähren diese Bedenken.

Wer haftet für mögliche Folgen der Impfung?

· Das Bundesamt für Veterinärwesen (bvet) hält dazu fest: „Da keine relevanten unerwünschten Wirkungen durch die Impfung erwartet werden, gibt es dafür keine
Entschädigungen“.

· Die Tierärzte sind verpflichtet, alle unerwünschten Nebenwirkungen von Tierarzneimitteln zu melden. Alle Nebenwirkungen, die im Umfeld einer Impfung am einzelnen Tier beobachtet werden, darunter auch Aborte, sind zu melden und werden registriert. Es findet dann eine amtlich angeordnete Untersuchung statt. Sollte sich herausstellen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit oder gar Kausalität zwischen Impfung und Abort besteht, muss im Einzelfall das weitere Vorgehen beurteilt und festgelegt werden.

Was wurde bei der Risiko-Nutzen-Abschätzung für die nationale Impfkampagne einbezogen?

· Die Blauzungenkrankheit hat sich in Europa in den letzten beiden Jahren explosionsartig ausgebreitet. Betreffend dem Schadensausmass hält das bvet fest, dass die wirtschaftlichen
Schäden durch Leistungsrückgänge bei kranken Tieren, durch Tierverluste und Handelseinschränkungen kann heute noch niemand beziffern.

· Die Veterinärbehörden halten fest, dass die Impfung derzeit die einzig mögliche Maßnahme sei, welche die Tiere wirksam zu schützen vermöge und die weitere Ausbreitung der Seuche verhindern könne. Der Nutzen einer Impfung überwiege bei weitem die zu erwartenden geringen Impfschäden.

· Bei einer hohen Impfrate bestehe die Chance, in 3 bis 4 Jahren das Virus Serotyp 8 aus der Population entfernt zu haben und nicht mehr impfen zu müssen.

Langfristig dürfte das grösste Problem bei den in den Mittelmeerländern vorkommenden Serotypen 1,2,4,9, und 16 der Blauzungenkrankheit liegen, deren Verbreitungstendenz noch nicht abgeschätzt werden kann. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Typen früher oder später einmal zu uns vordringen. Kritische Stimmen fragen, wird dann die nächste Impfkampagne gestartet? Wäre es nicht an der Zeit mit kontrollierten Versuchen „Alternativen“ ernsthaft zu prüfen?

Denn unser gemeinsames Ziel sind gesunde Tiere und die Erhaltung deren Gesundheit, damit die Tiere auf ihre natürliche Art leistungsfähig bleiben. Nur gesunde Tiere können unbedenkliche Nahrungsmittel für die Menschen liefern.

Weitere Informationen zur Blauzungenkrankheit und der damit verbundenen Impfkampagne sind zu finden unter:

Forschungsinstitut fĂĽr biologischen Landbau (FibL):
- https://www.fibl.org/shop/pdf/mb-1490-blauzungenkrankheit.pdf
- http://www.bioaktuell.ch/de/tierhaltung/blauzungenkrankheit-antworten-au...

Bundesamt für Veterinärwesen (bvet):
- www.bluetongue.ch

Unterlagen, die durchaus auch eine kritische Sichtweise zeigen, sind zu finden unter:
Berufsverband fĂĽr Tierheilpraktiker (BTS):
- http://www.tierheilpraktikerverband.ch/

- http://www.impfkritik.de/blauzungenkrankheit/