JOSEF ROSNER

Neue HOAI in Kraft getreten

Die neue HOAI, die fĂŒr alle VertrĂ€ge gilt, die ab dem 18.8.2009 zwischen Auftraggebern und Architekten geschlossen werden, stellt unter anderem die Berechnung der Architektenhonorare auf eine neue Basis.

Die LeistungsvergĂŒtung wird nun in der Regel auf der Basis der Kostenberechnung und nicht mehr fĂŒr die jeweiligen Leistungsphasen getrennt ermittelt - eine deutliche Vereinfachung fĂŒr den Bauherrn. Durch eine frĂŒhzeitige Bindung an die Kostenberechnung sollen Auftraggeber zudem frĂŒher Sicherheit ĂŒber Bau- und Honorarkosten gewinnen. DarĂŒber hinaus sieht die neue Honorarordnung eine Bonus-/Malus-Regelung vor, die kostensparendes Planen und Bauen stĂ€rken soll.

Die Novelle eröffnet insgesamt bislang nicht bekannte VerhandlungsspielrĂ€ume, die Architekten und Bauherren einvernehmlich nutzen können. LĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig war die Anhebung der Honorartafeln um 10 Prozent. Über 14 Jahre hatten Architekten und Bauingenieure in Deutschland ohne eine Anpassung ihrer Honorare an die allgemeine Preisentwicklung auskommen mĂŒssen, was viele BĂŒros in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat.

„Die Anhebung der Honorare gleicht die Verluste der vergangenen Jahre zwar nicht aus, ist aber ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung fĂŒr viele zehntausend ArbeitsplĂ€tze in unseren Architektur- und PlanungsbĂŒros“, urteilt Hartmut Miksch. Nach EinschĂ€tzung der Architektenkammer NRW stellt die neue Honorarordnung im Sinne des Verbraucherschutzes sicher, dass private Bauherren und öffentliche Auftraggeber auch kĂŒnftig eine sichere Grundlage fĂŒr die Zusammenarbeit mit ihren Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern haben.

„Die HOAI ist ein wichtiger Teil der Planungs- und Baukultur in Deutschland“, betont KammerprĂ€sident Hartmut Miksch, PrĂ€sident der grĂ¶ĂŸten deutschen Architektenkammer, „denn sie stellt sicher, dass die Planung und Realisierung von Bauwerken auch kĂŒnftig in Deutschland in einem QualitĂ€tswettbewerb und nicht ĂŒber Preisdumping entschieden wird.“

Die nordrhein-westfĂ€lischen Architektinnen und Architekten hatten sich im vergangenen Jahr gegen einen ersten Referentenentwurf zur Novellierung der HOAI gewehrt, der auf eine de facto-Abschaffung der Honorarordnung fĂŒr die meisten Bauaufgaben hinausgelaufen wĂ€re. Die nordrhein-westfĂ€lische Landesregierung hatte die Architektenkammer in ihrem Einsatz fĂŒr eine zukunftsfĂ€hige Honorarordnung aktiv unterstĂŒtzt. Auch bei den Abgeordneten des NRW-Landtags war die Kammer mit ihrem Anliegen auf VerstĂ€ndnis und UnterstĂŒtzung gestoßen. Die nun verabschiedete Novelle stellt, so Hartmut Miksch, „einen Kompromiss dar, mit dem wir gut leben können“. Wichtig sei vor allem, dass die Honorarordnung mit den Bestimmungen der europĂ€ischen Dienstleistungsrichtlinie konform gehe.
Gleichwohl begrĂŒĂŸt die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen den Auftrag des Bundesrates an den Gesetzgeber, die Auswirkungen der neuen HOAI zu ĂŒberprĂŒfen und die Honorarordnung fĂŒr Architekten und Ingenieure gegebenenfalls fortzuschreiben. „Wir werden uns weiter dafĂŒr stark machen, dass die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern mit ihren Auftraggebern möglich konstruktiv und auf vertrauensvoller Basis ablaufen kann. Dazu leistet die HOAI einen wichtigen Beitrag.“

Quelle: Architekturzeitung.eu